Mobile Apps – Dr. Alexander Trommen über das Potenzial von mobilen Applikationen für Verlage

Dr. Alexander Trommen

1. Herr Dr. Trommen, was ist Ihre Lieblings-App und wo liegen für Sie ihre besonderen Qualitäten?
Dr. Alexander Trommen: Meine Lieblingsapp ist natürlich SmartRunner. SmartRunner ist eine App, mit der man seine Outdooraktivitäten in einem Trainingstagebuch aufzeichnen und falls gewünscht veröffentlichen kann. Die Applikation zeigt die verbrauchten Kalorien, Kilometer und Geschwindigkeiten an. Nach dem Sport kann man die zurückgelegte

 

Strecke aus der Applikation in die Community-Website hochladen und als Karten- oder Satellitenbild inklusive Höhenprofil – zum Beispiel wichtig für Mountainbiker – darstellen lassen. Die Webseite bietet außerdem die Möglichkeit, die Strecken automatisch in den eigenen Twitter Account oder das Studi VZ/Mein VZ Profil zu posten. Man trainiert somit nie mehr umsonst oder alleine.

 

2. Angenommen, ich wäre ein Fachverlag, der sich u. a. mit Verkehrsrecht befasst und für diesen Themenbereich eine App plant. Welche Inhalte eignen sich und wie kann ich eine passende App gestalten?
Dr. Alexander Trommen: Eine der erfolgreichsten Apps des letzten Jahres war die ‚Führerscheinprüfung‘. Das zeigt, dass Apps auch für Fachverlage interessant sind und große Stückzahlen erreichen können. Spontan fallen mir als geeigneteThemenbereiche für Apps die Liste der Verkehrsverstösse mit Kosten und Punkteregelung, eine App zur Aufnahme von Verkehrsunfällen – mit Ansteuerung der Kamera und automatischer Einreichung bei der Versicherung – oder eine Fahrtenbuch-App ein. Mit etwas Zeit zum kreativen Nachdenken kommt man sicherlich auf 20 interessante Ideen für Apps alleine in diesem Bereich. Für die Gestaltung von Apps gibt es nicht das eine Patentrezept, aber was man bei fast allen unerfolgreichen Projekten feststellen kann: Oft wird der Fokus zu stark auf die reine Entwicklung der App gelegt und zu wenig in Ideenfindung, Konzeption, Marktforschung investiert. Außerdem wird die Bedeutung der notwendigen begleitenden Mediaunterstützung durch Blogmarketing, Reviewseiten, Schaltung von Werbung für den Launch meist nicht erkannt. Das reine Umwandeln einer e-pub Datei eines bestehenden Fachbuches in eine Art pdf-App hat im Fachbuchbereich in 99 % der Fälle nicht zu einem Topseller geführt. Das ist aus meiner Sicht reiner Aktionismus.

 

3. Wie finde ich den geeigneten App-Store für mein Angebot?
Dr. Alexander Trommen: Zunächst einmal kommen Sie um den Appstore von Apple nicht herum. Danach muss man fallweise entscheiden in Abhängigkeit vom Zweck der Applikation – Marketing oder Ertrag – und der Zielgruppe. Für Businessapplikationen kann der Windows Marketplace oder der Appstore von Blackberry eine Ergänzung sein, im Endkundenbereich eher die Appstores Vodafone 360 oder OVI von Nokia.

 

4. Wie groß schätzen Sie das ‚App-Potenzial‘ der Zukunft ein? Gibt es schon ein Geschäftsmodell, das es rechtfertigt, einen App-Spezialisten im Verlag anzustellen?
Dr. Alexander Trommen:  Was ich am erstaunlichsten finde: Die Wachstumsrate der Anzahl der Downloads im AppStore von Apple flacht nach einem Jahr noch immer nicht ab, wie man es vielleicht erwartet hätte. Im Gegenteil:  Das Wachstum wird immer schneller. Das macht die Prognose schwierig. Wenn man aber davon ausgeht, dass spätestens 2014 die Hälfte aller weltweit verkauften Handys Smartphones sein werden, ist die Schätzung von 5 Milliarden USD Umsatz pro Jahr in 2014 sicherlich nicht zu hoch. Insofern sind Applikationen zur Zeit der am stärksten wachsende Distributionskanal für Medien. Wer diesen Markt verpasst, ist selber schuld. Ich glaube nicht, dass man extra einen App-Spezialisten einstellen muss – zumal es davon noch nicht viele gibt. Man sollte aber zumindest einen geringen Betrag in die Beratung hinsichtlich einer Strategie und die Schulung der vorhandenen Online- oder Digital Media Manager im Verlag investieren. Das erspart Verlagen teure Fehlschläge.

 

Das Seminar „Mobile Apps für Verlage – Entwicklung und Vertrieb mobiler Applikationen“ findet am 13. September 2010 statt.

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