Dr. Vera Glas über die datenschutzrechtliche Lage bei der Nutzung von Facebook, Twitter & Co.

Dr. Vera Glas

Vor kurzem hat das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Schleswig-Holstein angekündigt, mit empfindlichen Strafen von bis zu 50.000 € gegen gewerbliche Datenschutzsünder vorzugehen, wenn deren Aktivitäten im Social Web nicht gesetzeskonform sind. Wie aber genau die gesetzliche Lage bezüglich der Nutzung von Facebook, Twitter und all der anderen Netzwerke ist, wie mit Kunden- und Mitarbeiterdaten in der elektronischen

 

Kommunikation zu verfahren ist und dergleichen mehr – darüber herrscht nicht zuletzt seitens der Gesetzgeber Unklarheit. Das Medium ist jung und Gesetzgebung gerade in Deutschland geprägt von Instanzverwirrung und Langwierigkeit. Dennoch tummeln sich immer mehr Unternehmen mit teilweise höchst unprofessionellen Auftritten im Web und das Thema Datenschutz ist in der unternehmensseitigen Aufmerksamkeit gesunken. Doch der Vorstoß Schleswig-Holsteins könnte Schule machen und das ist Grund genug, mal nachzufragen: Dr. Vera Glas, Rechtsanwältin bei Lausen Rechtsanwälte in München, hat uns einige Fragen zum Datenschutz beantwortet. Weiterlesen

Wie Verlage von Hochschulen profitieren können – Ein Interview mit Prof. Dr. phil. Ernst-Peter Biesalski

Prof. Dr. phil. Ernst-Peter Biesalski

ADB: Ihr Vortrag am 15. September trägt den Titel ‚Praxis aus dem Elfenbeinturm – Wie Verlage von Hochschulen profitieren können‘. Praxiswissen aus Hochschulen – für viele ist das noch ein Widerspruch in sich. Was hat sich hier aus Ihrer Sicht getan?


Biesalski:
Der „Elfenbeinturm“ ist ein lieb gewordenes Vehikel, um den Hochschulen Realitätsferne nachzuweisen. Aber das trifft doch schon lange nicht mehr zu. Heute kann es sich doch keine Hochschule mehr leisten, ohne Bezüge zur beruflichen Praxis auszubilden. Diese wird auch von den Studierenden zunehmend eingefordert.

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Carel Halff zum Medienvertrieb von morgen

Carel Halff

Der Medienvertrieb verändert sich. Dass das immense Flächenwachstum im Buchhandel zu Ende geht, ist Branchenkonsens. Dass das Pendel in nächster Zeit sogar dramatisch zurückschwingen wird, behauptet der Medienhändler Carel Halff im Interview mit Thomas Wilking, buchreport. Halff (58) ist als Chef von Weltbild im großen Stil im Versandhandel ebenso aktiv wie im stationären Buchhandel über die Weltbild-Beteiligung DBH, der Nr.2 im Markt (u. a. Hugendubel, Weiland, Habel, Weltbild plus).

Bei der 1. Fachkonferenz „Medienvertrieb 3.0“ am 7. Mai in der Akademie der Deutschen Medien ist er Keynote-Sprecher und wird dort seine Thesen zur Entwicklung des Medienvertriebs vertiefen.

 

Wie entwickelt sich der Medienvertrieb?

Halff: Zunächst, die Ausgangslage speziell für den Buchhandel ist gut, besonders angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Auch 2009 wurden mehr Bücher an mehr Menschen zu höheren Preisen verkauft. Das leichte Wachstum der Branche wird maßgeblich von der großen Dynamik des Online-Handels getragen, der stetig wächst und der den Anteil des Versandhandels auf inzwischen über 30% des Branchenumsatzes hat wachsen lassen. In der Fünf-Jahres-Perspektive wird sich das fortsetzen: Der Versandhandel legt zu, der stationäre Handel verliert Anteile…

 

Auch weil die digitalen Formate an Bedeutung gewinnen, die für den stationären Handel wenig geeignet sind?

Halff: Der Distanzhandel gewinnt, aber nicht wegen der E-Book-Angebote. Das ist ein großer Medienhype, die tatsächlichen Umsatzperspektiven sind begrenzt.

 

Unternehmen wie Apple drängen in den Medienvertrieb…

Halff: Ich bin ein Fan der Apple-Geräte, habe auch die großartig inszenierte iPad-Präsentation live miterlebt und mich auch gefragt: Was kann das bedeuten? Nach einer kurzen Unsicherheit und vor allem nach eigenem Ausprobieren weiß ich: Für Bücher ist das iPad ungeeignet, zu unhandlich und zu schwer, um damit länger zu lesen, auch nicht blendfrei. Das ist kein Vergnügen. Es wird bildgeprägte Lifestyle-Anwendungen geben, aber für Buchinhalte ist das iPad kein Träger. Und die anderen E-Reader? Naja, die geringen Verkaufszahlen sprechen für sich…

 

Warum werden auch die klassischen Bücher stärker übers Internet bezogen?

Halff: Im Medien- und Buchvertrieb der Zukunft gibt das Internet den Takt vor. Auch in den nächsten Jahren wächst dieser Kanal mit zweistelligen Raten, Weltbild.de wächst aktuell um 30%.

 

Zu Lasten des stationären Handels?

Halff: Ja, denn der Gesamtkuchen wird ja nicht größer. Im gesamten stationären Einzelhandel sinken die Quadratmeter-Umsätze, viele der neu errichteten Einkaufscenter erweisen sich schon nach kurzer Zeit als Flops. Gar nicht auszudenken, dass noch zahlreiche weitere Einkaufscenter und damit Zusatzflächen geplant sind. Auch der Buchhandel ist auf der Welle mitgeschwommen und hat seine Fläche gegen den Trend in den letzten Jahren vermehrt…

 

…da waren Sie nicht ganz unbeteiligt…

Halff: Mag sein, aber Weltbild hat sich auf die Zukunft und den fundamentalen Wandel eingestellt.

 

Was sind die Konsequenzen für die Branche?

Halff: Die zeichnen sich für den Buchhandel heute schon ab. In den kommenden fünf Jahren werden bis zu 40% der Buchflächen im stationären Handel aufgegeben, sei es durch Geschäftsaufgabe oder durch Aufnahme von Nonbook-Sortimenten. Das Zukunftsmodell heißt Multichannel-Handel. Es ist das überlegene Geschäftsmodell im Einzelhandel. Multichannel-Vertrieb ist dann erfolgreich, wenn er nicht auf ein Lippenbekenntnis reduziert wird und ein paar Streuprospekte verteilt werden oder ein Alibi-Webshop mit 3 oder 5% Umsatzanteil nebenher betrieben wird.

 

Die Fragen stellte Thomas Wilking, buchreport.

 

Hier gelangen Sie zur Konferenz Medienvertrieb 3.0: Wie Bücher und E-Medien morgen verkauft werden.

Hanspeter Reiter über Ambient Sales

Hanspeter Reiter

Herr Reiter, das Thema „Nebenmärkte“ ist ja ein altbekanntes, um nicht zu sagen „alter Hut“. Bietet Ihr Workshop so etwas wie „alter Wein in neuen Schläuchen“?
Hanspeter Reiter: Ganz im Gegenteil, deshalb haben wir den Tag mit „Ambient Sales“ betitelt, Verkaufen in jenen Umgebungen, die der Nutzer, vulgo: Leser aufsucht. Das können natürlich auch Buchhandlungen sein, klassische Nebenmärkte oder auch das Aufsuchen des Kunden zuhause resp. Im Büro. Weiterlesen