Interview mit Eckhard Zimmermann zum Thema Konzeption von E-Produkten

Eckhard Zimmermann

Durch den Medienwandel sind Verlage gezwungen, Strategien und Erlösmodelle zu überdenken, die sich Jahrzehnte lang bewährt haben. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Verlage, die sich in Richtung E-Publishing orientieren möchten?

 
Eckhard Zimmermann: Ein Verlag, der mit E-Publishing erst beginnt, sollte zunächst den ganzen notwendigen Veränderungsprozess in den Bereichen Mediennutzung,

 

Vertrieb und Produktionsworkflow adäquat verstehen. Er muss neue Wege in die Neuen Medien finden und kann doch gleichzeitig die alten im Bereich Print nicht vernachlässigen Verlage, die erste Erfahrungen gesammelt haben, müssen bei kalkuliertem Risiko Tempo aufnehmen und alle Bereiche des Verlages in veränderte Produktions- und Vertriebswelten überführen. Das setzt klare Strategien, Überzeugungskraft und den Mut zur Veränderung voraus.

 

Die digitalen Medien folgen anderen Gesetzen als die Print-Medien. Wie macht sich das bei der Konzeption von E-Produkten bemerkbar? Wo genau liegen die Unterschiede zwischen der Entwicklung von Print- und E-Produkten?

Eckhard Zimmermann: Beiden gemeinsam ist, dass sich das Produkt an den Erwartungen und Gewohnheiten der Zielgruppe orientieren muss. Wenn man ein Buch als Datenträger von Inhalten sieht, dann weiß man, was es kann: Text sinnvoll darstellen, dem Leser durch ein geeignetes Layout Hilfe geben, Inhalte schnell und angenehm zu finden und zu verstehen. Bei einem E-Produkt kann vieles ganz anders sein: Ein Produkt für das Smartphone zum Beispiel kommt heute nicht mehr ohne Audio-Elemente aus, eine Suchfunktion ist wichtig, ebenso das Thema Interaktion. Es werden damit nicht nur andere Anforderungen an die Funktionalität, sondern auch an die Inhalte gestellt.

 
Das Spannungsverhältnis zwischen notwendiger Zukunftsorientierung und der Schwierigkeit, im E-Publishing Geld zu verdienen, besteht nach wie vor. Warum sollen sich Verlage für das digitale Geschäft jetzt schon aufstellen? Wie viel Investition ist zu diesem Zeitpunkt sinnvoll?

Eckhard Zimmermann: Die Zeiten werden nicht besser und es gibt, wenn man sich das rasant verändernde Medienverhalten ansieht, kein Zurück. Sinkende Umsatzzahlen aus dem Buchhandel werden wir auch in den nächsten Jahren erleben. Trotzdem muss das, was Verlage heute erwirtschaften, als wirtschaftliche Basis für einen Change-Prozess ausreichen, der sich über viele Jahre hinziehen wird. Wichtig ist, dass man sich anfangs mit konkreten Projekten an die Zukunft herantastet. Diese können kalkuliert werden, damit bleibt das wirtschaftliche Risiko überschaubar. Nichtstun bedeutet aber, das Feld neuen Wettbewerbern überlassen.

 


Welche Auswirkungen hat das E-Publishing auf bestehende Workflow-Prozesse? Wo gibt es mögliche Stolpersteine in der Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen?

Eckhard Zimmermann: Der gesamte Verlag ist von den Veränderungen betroffen. Im Zentrum einer notwendigen neuen interdisziplinären Zusammenarbeit stehen Redaktion, Herstellung und Vertrieb, die eng verzahnt sein und neue Workflows entwickeln müssen. Produziert werden darf nur, was sich auch unter Entwicklung neuer Vertriebskanäle verkaufen lässt. Das bei Neuen Medien zu entscheiden, ist schwer genug. Die Herstellung ist speziell beim Thema medienadäquate Datenhaltung gefragt: aus ein und demselben Content müssen in einem modularen System unterschiedliche Produkte für mehrere Medien entstehen können. Der größte Stolperstein ist ein mangelnder Wille zur Zusammenarbeit und das Beharren auf alten Mustern.

 
Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wo stehen Verlage Ihrer Meinung nach in drei Jahren in Bezug auf die Neuen Medien?

Eckhard Zimmermann: Das E-Book wird uns helfen, schnellere Schritte zu wagen als bisher. Daneben gibt es aber viele andere Umsatz versprechende Geschäftsfelder im Bereich der Neuen Medien. Jeder Verlag sollte sie für den eigenen Programmbereich evaluieren. Innerhalb von drei Jahren kann man ohne große Risiken erste Erfahrungen aufbauen. Wo wir in 10 Jahren stehen werden, ist schon eine ganz andere Frage. Die Antwort ist auch davon abhängig, wie stark Verlage zusammenarbeiten und bereit sind, ihre Erfahrungen zu teilen.

 

Eckhard Zimmermann ist Referent der Akademie.

Hier gelangen Sie zu seinem Seminar ‚Crashkurs Konzeption von E-Produkten‘.

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