Interview mit DVV Media Group-Geschäftsführer Martin Weber anlässlich des 6. Zukunftsforum Zeitschriften am 2. Dezember 2014

Martin Weber

Martin Weber, Geschäftsführer, DVV Media Group

„Wir Verlage müssen lernen, vom Kunden her zu denken, um so Dienste oder Services zu entwickeln“

Für viele Verlage bestand Innovation darin, neue Titel zu entwickeln. Durch die Digitalisierung mussten die Verlage verschiedene Medien bedienen. Aber auch das genügt nicht mehr. Nur durch eine strikte Kundenorientierung werden Verlage ihre Medienmarken erfolgreich managen können, sagt DVV Media Group-Geschäftsführer Martin Weber, der auch Key Note-Speaker auf dem Zukunftsforum Zeitschriften sein wird, im Interview mit Ehrhardt F. Heinold (Geschäftsführer, Heinold, Spiller & Partner).

 

 

Fachverlagsmedien leben klassischerweise von der Versorgung ihrer Fachzielgruppen mit Inhalten. Gerät dieses Geschäftsmodell unter Druck? Aus welcher Richtung?
Martin Weber: Unser heutiges Geschäft im B2B-Bereich beruht auf zwei Modellen. Zum einen helfen unseren Kunden, besser mit Ihren Märkten zu kommunizieren, in erster Linie durch Anzeigen, Sponsoring und Corporate Publishing. Zum anderen versorgen wir unsere Kunden mit Informationen, die ihnen helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. In der Vergangenheit erfolgte dies auf Basis unserer Publikationen, insbesondere unserer gedruckten Publikationen.
Seit einigen Jahren beobachten wir eine grundsätzliche Veränderung der Informationsbedürfnisse und der Kommunikationsbedürfnisse unserer Kunden. Die Informationsversorgung durch freie Angebote im Internet wird immer einfacher. Dies gilt auch für spezifischere Fachinformationen. Im Bereich der Marktkommunikation entwickeln sich Unternehmenswebsites und die Sozialen Medien immer mehr zu effektiven Kommunikationsinstrumenten, bei denen die Unternehmen ihre Kommunikation selbst in die Hand nehmen – Stichwort: Content Marketing.

 

Wie lautet Ihre Antwort auf diese Entwicklung?
Martin Weber: Wir müssen uns viel stärker als früher mit den Bedürfnissen unserer Kunden auseinandersetzen. Wenn wir die Kundenbedürfnisse als Maßstab für unsere Aktivitäten ernst nehmen, gibt es noch genug Potential für Wachstum in unserem Geschäft.

 

Mehrwertdienste und Services – welche Rolle spielt eine Zeitschriftenmarke in diesem Feld?
Martin Weber: Zeitschriftenmarken spielen eine große Rolle. Allerdings werden sich diese Marken immer stärken von dem klassischen Print-Produkt entfernen:
Qualitativ hochwertige Informationen, die auf die konkreten Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind, verlieren nicht an Wert, auch die Zahlungsbereitschaft dafür steht nicht in Frage. Ähnlich verhält es sich im Bereich der Marktkommunikation. Je mehr Unternehmen ihre Marktkommunikation selbst in die Hand nehmen, desto wichtiger werden Plattformen, die eine gewisse Neutralität garantieren und sich nicht lediglich auf einen Hersteller beschränken.

 

Wie muss sich ein Verlag verändern, wenn er nicht nur inhaltsbasierte Medienmarken, sondern Mehrwertdienste oder sogar Services für seine Kunden entwickeln will?
Für Verlage bestand Innovation in der Vergangenheit darin, neue Titel zu entwickeln. Im Zuge der Digitalisierung mussten sich Verlage dann mit der Bedienung verschiedener Medien auseinandersetzen. Das genügt nicht mehr. Heute muss ein Verlag seine bestehenden Geschäftsmodelle hinterfragen, diese weiterentwickeln und sich mit neuen Geschäftsmodellen auseinandersetzen. Die entscheidenden Erfolgsfaktoren dabei sind die genaue Kenntnis der Kundenbedürfnisse und Mitarbeiter mit den entsprechenden Kompetenzen für die agile Umsetzung.

 

Ihr Vortrag auf dem Zukunftsforum Zeitschriften lautet „Relevanz durch Mehrwertdienste – Mehr Nutzen für Leser“. Was wird Ihre zentrale Botschaft sein?
Wir Verlage müssen lernen, vom Kunden her zu denken und dann Dienste oder Services zu entwickeln, die unsere speziellen Stärken im Umgang mit Medien nutzen.

Das Interview führte Ehrhardt F. Heinold (Geschäftsführer, Heinold, Spiller & Partner).

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