„Fach- und Special-Interest-Verlage haben ein echtes Pfund: Ihre Experten“ – Interview mit Britta Kroker zu E-Learning

Anlässlich unseres Zertifikatskurses „E-Learning-Projektmanager ADB“ haben wir mit einer der Fachreferentinnen, Britta Kroker (Pink University), ein Interview geführt:

 

1) Sie haben viele Jahre als Verlagsleiterin und Programmverantwortliche für den Campus Verlag gearbeitet. Was hat Sie dazu bewogen, die klassische Verlagsarbeit hinter sich zu lassen und die Pink University zu gründen?

Ich sehe die digitale Medienrevolution als eine große Chance, neue Märkte zu erschließen. Dafür brauchen wir Produkte, die für die digitalen Medien geschaffen sind und den Kunden einen echten Mehrwert bieten.  Mit den Videotrainings der Pink University können die Menschen jetzt das Wissen der besten Experten erfahren, und sie können die Experten gleichzeitig hören, sehen und damit umfassender erleben. Videos passen außerdem sehr gut in unsere schnelle und mobile Welt. Wir setzen auf kleine Lerneinheiten à 10 Minuten, auf flexibles Lernen – dann, wenn man es braucht, und auf die hohe Affinität der Menschen zu allem, was visuell ist.

 

2) Co-Gründer der Pink University ist der Verleger Sven Murmann – auch ein Büchermensch. Wie viel Verlags- und wie viel IT-Know-How sind für den erfolgreichen Aufbau eines Online-Portals wie der Pink University aus Ihrer Sicht notwendig?

Für den Aufbau eines Online-Portals brauchen Sie unabdingbar Profis, die die schnellen technischen Entwicklungen verstehen und umsetzen können und Sie brauchen Online-Marketing-Profis, denn auch das ist eine Wissenschaft für sich und ein sehr komplexes Zusammenspiel aus SEO, SEA, SMM, Online-PR, Conversion-Optimierung und den verschiedenen Spielarten von Online-Kooperationen. Hier setzen wir voll auf Digital Natives und Online-Profis, die aus anderen als den klassischen Verlagsbereichen kommen. In der Redaktion allerdings haben wir einen guten Anteil an „Büchermenschen“, die ihr Handwerk in klassischen Verlagen gelernt haben. Denn es geht darum, ein qualitativ hochwertiges Medium mit den Experten zu entwickeln, didaktisch zu konzipieren und redaktionell zu erstellen. Sehr bereichernd sind dabei auch die Kollegen, die aus dem TV-Bereich kommen. Und für die Produktion wiederum brauchen wir Bewegtbild-Experten. Der Kern der verlegerischen Arbeit bleibt also. Für ein tolles Produkt brauchen Sie aber auch das Know-How aus ganz anderen Bereichen.

 

3) Wie ist Ihre Einschätzung: Wird Expert-Generated Content in E-Learning-Umgebungen den Ratgeber bzw. das Fachbuch auf lange Sicht ersetzen?

Unsere Medienwelt hat sich nicht als Entweder/Oder entwickelt, sondern eher als Portfolio aus unterschiedlichen Medien, die wir in unterschiedlichen Alltagssituationen und nach individueller Präferenz nutzen. Die multimedialen Produkte werden mit Sicherheit einen Anteil des Marktes gewinnen. Ein Buch zu lesen, erscheint heute – gerade der jüngeren Generation – als zu zeitintensiv. Die Möglichkeit, in kondensierter Form und in kleineren Einheiten zu lernen und mit allen Sinnen angesprochen zu werden, wird eindeutig als attraktiv wahrgenommen.

 

4) Welche Möglichkeiten sehen Sie, Video-Tutorials erfolgreich in das bestehende Angebot von Fach- und Special-Interest-Verlagen einzubinden?

Fach- und Special-Interest Verlage haben ein echtes Pfund: Ihre Experten. Um mit Video-Produkten erfolgreich zu sein, ist es im zweiten Schritt notwendig, diese Produkte nicht als Zweitverwertung zu begreifen, sondern als eigenständige Medien, die nach den Ansprüchen der digitalen Welt konzipiert werden. Und es verlangt echtes Commitment, diesen Bereich eigenständig (und nicht nebenher) entwickeln zu wollen – auch mit den Investitionen, die das verlangt.

 

5) Seit diesem Jahr arbeiten Sie mit einem neuen Freemium-Modell. Was haben Sie über die Zahlungsbereitschaft der Online-Nutzer gelernt und warum haben Sie sich nun für dieses Modell entschieden?

Wer sich in einen neuen Markt begibt, wird erfahren, dass dieser Markt sich erst entwickelt und die Menschen Vertrauen aufbauen müssen. Wir haben erlebt, dass unsere Kunden, sobald sie ein Video gesehen haben, in der Regel auch das gesamte Videotraining-Paket kaufen. Sie haben also Vertrauen gewonnen in uns als Anbieter und sich vom Produkt überzeugen können. Das machen wir ihnen mit dem Freemium-Modell jetzt noch leichter. Sie müssen sich nur noch registrieren und bekommen dann von fast jedem Videotraining ein Video umsonst zum Reinschnuppern und Kennenlernen.  Ähnlich im Firmengeschäft. Auch hier stellen wir natürlich Testaccounts zur Verfügung, damit sich unsere Firmenkunden vom Angebot überzeugen können.

 

6) Welche Einsichten haben Sie seit der Gründung der Pink University erlangt? Welche Learnings können Sie anderen beim Auf- bzw. Ausbau ihrer E-Learning-Angebote mit auf den Weg geben?

Das E-Learning Geschäft ist kein schnelles Geschäft, sondern eines, das den Aufbau von Beziehungen und Vertrauen voraussetzt. Und den Aufbau von Know-How, um Produkte zu schaffen, die den Kunden begeistern und seine Bedürfnisse treffen. Ich bin sicher, dass der E-Learning-Markt sehr stark wachsen wird, weil das Angebot sehr viel zeit- und kosteneffizienter ist als herkömmliche Schulungsformen. Es lohnt sich also, den Fokus darauf zu richten und loszulegen, ob alleine oder in einer Partnerschaft.

 

Die Fragen stellten Leonie Rouenhoff und Teresa Rasch

 

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