„Der Autor wird den Verlag doppelt schätzen“ Interview mit Dr. Harald Henzler zu iBooks Author

Harald HenzlerApples kostenlose Mac-Software iBooks Author sorgt für Schlagzeilen in den Branchenmedien und wirft die Frage nach der Rolle der Verlage beim digitalen Publizieren erneut auf. Wie diese iBooks Author nutzen können, erklärt Dr. Harald Henzler im Interview mit der Akademie der Deutschen Medien.

Apple hat im Januar dieses Jahres die kostenlose Mac-Software iBooks Author vorgestellt, mit der E-Books von jedem selbst entwickelt und im iBookStore vertrieben werden können. Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für Verlage?

Die Anforderungen an Verlage steigen. Im Grunde kann jetzt jeder im Selbstverlag ein enhanced eBook machen. Aber nicht jeder wird das selber machen wollen – und vor allem: die Fähigkeiten dazu haben. Verlage können hier punkten, indem sie das Know-how für die Entwicklung wirklich guter multimedialer Produkte aufbauen. Bisher können Verlage Texte und Bilder redigieren, manchmal auch noch Videos dazu drehen. Aber dies alles in einem Produkt zu kombinieren, bedarf einer anderen Herangehensweise, die eher der Entwicklung von Spielen oder Theaterstücken entspricht – und die für alle neu ist. Ich bin überzeugt, dass die Teamarbeit und das Projektmanagement künftig immer wichtiger werden, um derartige Werke zu realisieren. Und hier liegt die große Chance für Verlage.

 

Ob iBooks Author, CreateSpace oder The Domino Projekt – die Möglichkeiten für Selfpublishing werden immer vielfältiger. Was müssen Verlage ihren Autoren zukünftig bieten, um weiterhin deren Partner zu bleiben?

Ein Autor will eine Botschaft vermitteln. Der Verlag soll ihn dabei beraten, das Produkt produzieren und vertreiben. Zwar kann jeder relativ einfach ein Buch schreiben und produzieren und mit iBooks Author sogar ein anspruchsvolles, multimediales Format realisieren, aber Verlage sind die Profis. Sie können dem Autor sagen: Schau mal, wir können mit Dir ein traditionelles Buch machen und wissen vom Lektorat bis zur Vermarktung über den Buchhandel, wie das geht. Wir können mit Dir aber auch ein komplexeres enhanced eBook oder eine App machen, wenn die Inhalte, die du vermitteln möchtest, so besser aufbereitet werden. Dann wird der Autor den Verlag doppelt schätzen.

 

E- bzw. iBook oder App – wofür eignet sich welches Format?

Apps sind bisher (fast) der einzige Weg gewesen, um multimediale Inhalte zu vertreiben. Fast alle Zeitschriften können z. B. nur als Apps all ihre Inhalte an die Kunden bringen. Jetzt gibt es mit iBooks Author (und bald auch mit Amazons KF8) eine technologische Plattform, mit der man den aufwändigen Weg über eine App umgehen kann. Man erhält sozusagen eine Backform für seinen Kuchen und muss diese nicht auch noch basteln. Das entspricht unserer Tätigkeit in Verlagen, bei der wir mit dem Buch relativ genormte Produktformen haben. Jetzt gilt es zu erkennen, für welche Inhalte und welche Kunden ein enhanced eBook Sinn macht. Apps haben natürlich den Vorteil, dass sie alle Möglichkeiten des Smartphones oder des Tablets nutzen, vom Fotoapparat über GPS, Unterschriftserstellung und so weiter. Es sind Softwareprogramme, die dem Kunden eine Arbeitsleistung bringen. Wenn man hier ein attraktives Lösungsangebot für seinen Kunden hat, ist das eine tolle Plattform. Was wann sinnvoll ist, hängt also immer von dem Lösungsangebot für die jeweilige Zielgruppe ab.

 

Dr. Harald Henzler ist einer der drei Referenten des Seminars Enhanced E-Books und Apps, das die Akademie der Deutschen Medien am 19.03. und 20.03.2012 im Literaturhaus München veranstaltet. Das Seminar gibt Handlungsanleitungen zur Konzeption und Realisierung von Produkten für den Mobile Publishing-Markt sowie einen Überblick über Apples ‘iBooks Author’.