Fragen an Bernhard Buchner zum Thema Online-Recht für Verlage

Bernhard Buchner

Verlage, die neue Geschäftsfelder im Internet erschließen, begeben sie sich in der Regel auch auf rechtliches Neuland. Denn bei E-Learning-Produkten, Verlags-Datenbanken oder multimedialen Online-Publikationen greifen herkömmliche Urheberrechtsregelungen häufig zu kurz. Wer teure Abmahnungen oder Haftungsrisiken vermeiden will, muss sich mit dem geltenden Online-Recht vertraut machen. Bernhard Buchner über Online-Recht.

 

ADB: Wenn Verlage im Internet agieren, bewegen sie sich aus rechtlicher Sicht auf zwei Feldern: dem der Content-Verwertung und dem der Content-Vermarktung. Was ist unter diesen Begriffen konkret zu verstehen?
Bernhard Buchner (BB): Bei der Content-Verwertung geht es um die Gestaltung des eigenen Produkts mit Hilfe von Inhalten („Content“), bei der Content-Vermarktung um den Vertrieb und die Bewerbung des eigenen Produkts. Betroffene Rechtsmaterien sind bei der Content-Verwertung insbesondere das Urheberrecht und das Persönlichkeitsrecht, bei der Content-Vermarktung das allgemeine Zivilrecht und das Wettbewerbsrecht.

 

ADB: Welche Rechtsverstöße sind in diesen Bereichen momentan am häufigsten zu beobachten?
BB: Im Bereich der Content-Verwertung ergeben sich Verstöße vor allem daraus, dass die „Online-Rechte“ nicht sorgfältig geklärt werden. Bei der Content-Vermarktung sind die Sonderregelungen des e-commerce immer ein Thema.

 

ADB: Welche gesetzlichen Neuregelungen im Online-Recht sollten Mitarbeiter aus Verlagen unbedingt wahrgenommen haben?
BB: Die besonderen Regelungen des e-commerce sind laufend Änderungen unterworfen. Hier gilt es, unbedingt „am Ball“ zu bleiben. Im Bereich des Urheberrechts sind nach wie vor der sog. „Zweite Korb“ von großer Bedeutung sowie die neugeschaffenen Regelungen zur Durchsetzung der eigenen Rechte.

 

ADB: Communities gewinnen im Verlagskontext zunehmend an Bedeutung: Eigenprodukt-Vertrieb, Marktforschung und Kundenfeedback sind nur einige positive Aspekte, die Netzgemeinschaften mit sich bringen können. Doch welche Tücken birgt die Verwertung von User Generated Content aus rechtlicher Sicht?
BB: Zum einen muss der der Verlag von den Nutzern die für die Verwertung nötigen Rechte erwerben. Zum anderen muss sich der Verlag im Klaren sein, dass er unter bestimmten Umständen für die von den Nutzern eingestellten Inhalte haftet.

 

ADB: Durch die Digitalisierung ist Internetpiraterie auch für Verlage zum Problem geworden. Gibt es Möglichkeiten, sich gegen den abstrakten Umsatzkiller im Netz zu schützen?
BB: Es gibt durchaus Möglichkeiten, sowohl technischer als auch rechtlicher Natur. Verlage gehen in letzter Zeit immer öfter auf juristischem Wege gegen Nutzer und Plattformen vor, die mit der illegalen Verwertung von geschützten Inhalten erhebliche Umsätze erzielen. Dies wird natürlich auch ein Thema des Seminars sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.