Fachmedien sind Relevanzfilter – Interview mit der Referentin Brita Westerholz, Verlagsleitung Agrar-Medien, dfv

 

  1. Mit den „B2B-Wertewelten” hat der dfv bereits die zweite Studie zu Fachmedien publiziert. Was war Ihr Motiv für die neue Untersuchung?
    Die Fragmentierung der Medien sorgt auch für eine deutliche Verschärfung des intermedialen Wettbewerbs, denn die Zeitbudgets der Leser bzw. die Mediabudgets der Kunden wachsen nicht mit. So steht vor jeder Entscheidung für ein Abo, für die Teilnahme an einem Event oder für die Buchung von Werbeplätzen immer die Entscheidung für die Gattung. Deswegen ist es wirklich wichtig, an dieser vorgelagerten Verkaufsfront für Transparenz zu sorgen und pro Fachmedien nachhaltig zu punkten. Erst, wenn hier positiv entschieden wird, können unsere Salesteams auf der Ebene der einzelnen Medienmarken ansetzen.

  1. Ein zentrales Ergebnis lautet, dass Entscheider sich aus eigener Kraft einen Weg durch das tägliche Informationsdickicht bahnen wollen – dies beschreiben Sie als Megatrend „Komplexitätsreduktion durch Eigenaktivität”. Was genau ist damit gemeint?
    Das erläutere ich bei Ihrer Veranstaltung gern. An dieser Stelle vielleicht so viel: Im Vordergrund steht die Erkenntnis, dass der Leser seine Erwartungshaltung gegenüber Fachmedien geändert hat. Diese zielt heute stark darauf ab, auch jenseits der Meinung von Autoritäten eigenverantwortlich den beruflichen Alltag unter Einbeziehung seines persönlichen Netzwerkes zu vereinfachen. Das Bedürfnis dazu gab es immer schon, aber dank der neuen Informationstechnologien ist diese eigenverantwortliche Vereinfachung heute viel leichter möglich. Das hat Konsequenzen für die Fachmedien.

 

  1. Was bedeuten diese Erkenntnisse für Ihre Fachmedien?
    Zum einen setzen wir die Studie in Marketing und Verkauf ein, denn sie liefert gute Argumente „Pro Fachmedien und -werbung“ und schafft damit die Basis für intelligente Kundengespräche. Unsere Werbekunden brauchen glaubwürdige Lösungen, wie sie die unter immer größerem Druck stehenden B2B-Entscheider effizient erreichen können. Dass dies am besten crossmedial über alle Kanäle passiert, ist direkt aus der Studie ablesbar. D.h. von der Studie kommend, kann hervorragend in die Diskussion zum optimalen crossmedialen Mediamix übergeleitet werden. Also vom intelligenten Storytelling zum konkreten Verkaufsgespräch.

    Zum anderen ist die Studie aber auch Grundlage für interne strategische Überlegungen: Was bedeutet der Megatrend „Komplexitätsreduktion durch Eigenaktivität“ für unsere Angebote und Geschäftsmodelle? Wie gehen wir redaktionell und verkäuferisch damit marktgerecht um? Im Strukturwandel der Medien sind das für den dfv wichtige Fragen.

 

  1. Gibt es auch Konsequenzen speziell für Fachzeitschriften?
    Die liegen, wenn man die Studie kennt, auf der Hand. Fachzeitschriften müssen für ihre Leser nicht nur Relevanz filtern, also Informationen liefern und damit Wichtiges von Unwichtigem trennen. Sie müssen vielmehr sehr viel stärker als bisher auch Dialog, Austausch und Interaktion zwischen ihren Lesern verstärken. Print, Digital, Events – B2B-Entscheider wollen über alle Kanäle mit ernsthaften Angeboten bedient werden. Zeitschriften, die das nicht in einer sinnvollen, am Nutzen für die Leser orientierten Kombination bieten, haben wenig Zukunft.

 

  1. Wie lautet die zentrale Botschaft Ihres Vortrags?
    Fachmedien haben nachweislich bei ihren Lesern eine sehr hohe Akzeptanz. Sie sind und bleiben auch im Zeitalter von Google, Facebook & Co. unverzichtbar.
    Brita Westerholz ist Referentin auf dem 3. Zukunftsforum Zeitschriften „Leuchtturm oder Schlusslicht? Zeitschriften am Scheideweg in der digitalen Medienwelt“Das Interview führte Ehrhardt F. Heinold

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