„Enorme Chancen für Verlage“: Interview mit Bernd Pitz zum Thema Facebook-Timeline für Unternehmen

Bernd PitzSeit dem 31. März 2012 ist die neue Facebook-Chronik für Unternehmens-seiten verbindlich. Sie bietet nicht nur mehr Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung des Unternehmensauftritts. Neue technische Features erlauben Unternehmen zudem die Aktivitäten ihrer Fans besser auszuwerten. Bernd Pitz erklärt im Interview mit der Akademie der Deutschen Medien, was die Chronik für Verlage bedeutet und wie sie sie optimal für sich nutzen können.

 

Weg von der Eigenwerbung, hin zu Storytelling? Herr Pitz, was ist das Besondere an der Unternehmenskommunikation über die neue Chronik?

Weg vom Facebook, hin zum Brandbook? Das war eine der Einschätzungen zu der Neuorganisation der Facebook Pages. Das Layout ist ja nur der geringste Teil. Plötzlich werden mir als Seiteninhaber wieder mehr Rechte eingeräumt, ich definiere Meilensteine, Highlight usw, die länger auf der Seite sichtbar bleiben als normale Einträge. Die Beiträge der Fans werden aus meiner Sicht zurückgedrängt, gleiches gilt für Interationen mit den Fans. Das kann man auch positiv formulieren: manche halten diese neue Struktur für das Ende der berühmten Shitstorms. Auf der anderen Seite können die Nutzer jetzt mit Seiten via Facebook-Mail kommunizieren, ich als Seite kann aber keine „Updates“ mehr an alle meine Fans kommunizieren. Kurzum: wir müssen im Facebook (-Marketing) ein Stück weit neu denken.

 

Tabs und Apps in der Chronik – was verbirgt sich dahinter und wo liegen die Herausforderungen?

Mit der Umstellung auf die Pages haben die Marketing-Leute die liebgewonnenen „Custom Tabs“ weitgehend verloren. Früher konnte man neue Besucher bzw. Nicht-Fans gleich auf einen eigenen „Willkommen“-Tab lenken, Ihnen dort das „Fan werden“ schmackhaft machen und vielleicht sogar zusätzliche Sonderangebote machen. Diese Steuerung des Traffics, das ja ein wunderbares Targeting war, fällt jetzt weg. Die bisherigen Tabs bleiben erhalten, aber sie sind nur über drei kleine „Reiterbilder“ darstellbar. Die große Herausforderung ist jetzt, wie lassen sich Tabs und Apps in die neue Chronik integrieren?

 

Worin sehen Sie den größten Vorteil von Facebook Insights? Wie können Verlage die Informationen daraus optimal nutzen und was müssen sie dabei beachten?

Mit den neuen Insights habe ich – teilweise in Echtzeit – ein mächtiges Werkzeug, um zu sehen, was eigentlich auf meiner  Facebook-Seite passiert. Die reine Zahl der Fans, auch die Zahl der Interaktionen, reicht zur Steuerung des Facebook-Auftrittes nicht aus. Ich kann jetzt mit qualitativen Zahlen mein Engagement auf Facebbok wirklich managen. Z.B. muss ich mir sehr genau anschauen, ob meine Fans nur einmal auf der Seite vorbeischauen, oder ob es mir gelingt, die Fans wirklich an meine Seite zu binden. Und nicht vergessen: ich kann von meinen Wettbewerbern oder den Anzeigenkunden auch einen Teil dieser Daten sehen und auswerten. Damit kann ich einem Anzeigenkunden vielleicht ein ganz neues Angebot machen…

 

Das Konzept von Open Graph ist eine der zusätzlichen Features der Chronik. Worum handelt es sich dabei genau und worin liegt der spezieller Nutzen für Verlage?

Mit OpenGraph rücken andere Angebote im Netz näher an Facebook. Wenn ich z.B. bei Amazon einkaufe, dann kann ich das mit einem Mausklick auf meine Facebook-Timeline bringen. Verlage können über diese „Schnittstelle“ zu Facebook mehr Aufmerksamkeit und mehr Leser generieren, wenn sie z.B. eigene „Social Reader“ anbieten wie es in Deutschland seit ein paar Tagen der Stern macht. Bekanntestes Beispiel ist sicher die englische Tageszeitung The Guardian, die als eine der ersten in Europa auf diese Weise die eigene Website mit Facebook verbunden hat. Ergebnis: Eine enorme Steigerung der Reichweite außerhalb ihres Kernmarktes. Facebook bringt der Guardian-Website mittlerweile fast genauso viel Traffic wie Google. Im Konzept OpenGraph stecken also enorme Chancen für Verlage drin, da werden wir in nächster Zeit sicher einige clevere kreative Ansätze sehen.

 

 

Bernd Pitz ist Unternehmens- und Verlagsberater mit Schwerpunkt Social Media und Referent des Seminars Crashkurs Facebook-Timeline für Verlage: Die neue Chronik optimal nutzen, das die Akademie der Deutschen Medien am 27.04.2012 in München veranstaltet. Im praxisnahen Workshop erfahren Sie, wie Sie Ihren (Fach-)Verlag und Ihre Titel erfolgreich mit der Facebook-Timeline positionieren und wie die Mechanismen der Chronik funktionieren.

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