Corporate Blogs und die Frage „Was will ich wem wie sagen?“

Ein Interview mit Stefan Krüger, Geschäftsführer von cocodibu und brandiz

Herr Krüger, der Dialog mit potenziellen Kunden und Zielgruppen läuft heute hauptsächlich über Social Media. Stellt sich die Frage: Wie aktuell ist das Format „Corporate Blog“ im Online Marketing noch?

Ich sehe den Gegensatz in der Praxis nicht: Beide haben im Kommunikationsmix unterschiedliche Funktionen und sind deswegen schwer vergleichbar und auch nicht substituierbar. Im besten Fall ergänzen sie sich vielmehr. Facebook und Twitter sind ideale Teaserkanäle für den eigenen Corporate Content. Der Corporate Blog hat also nichts an Aktualität eingebüßt.

 

Was zeichnet Blogs im Vergleich zu anderen Kanälen aus? Was sind die Vorteile?

Über Blogs lassen sich Geschichten erzählen und multimedial aufbereiten. Und zwar solche, die Unternehmen gerne erzählen und Stakeholder hören und lesen wollen – unabhängig davon, ob sich der Blog nun schwerpunktmäßig an (potenzielle) Mitarbeiter, Kunden oder beispielsweise Journalisten und Influencer wendet.

 

Welche sind die aktuellen Trends im Corporate Blogging?

Die Erwartung an Marken ist im Digitalzeitalter rapide gestiegen. Kunden, Multiplikatoren und eigene Mitarbeiter wollen seriös informiert, fachkundig beraten und gut unterhalten werden. Dafür braucht es einen zentralen Content Hub: einen Blog. Der hat heute allerdings immer weniger mit einem schmalen öffentlichen Tagebuch zu tun, sondern präsentiert sich als opulentes Portal im Netz. Typische Beispiele dafür sind etwa Curved (https://curved.de/) oder Turn On (https://www.turn-on.de/).

 

Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Erfolgsfaktoren und Herausforderungen für ein Corporate Blog?

Aus meiner Erfahrung sind die größten Hürden meistens die Themenfindung und -aufbereitung. Häufig geht’s schon damit los, dass die Blogaktivitäten nicht mit der Unternehmens- bzw. Kommunikationsstrategie synchronisiert sind. Die Frage „Was will ich wem wie sagen?“ geht in dem operativen Gewusel aus Template auswählen, Redaktionsplan erstellen und Fachabteilungen briefen unter. Das Ergebnis: Der Blog verkommt zu einer Zweitverwertung der Pressemitteilungen und das ist der Anfang vom Ende. Auf der Suche nach dem passenden Content legen sich die Corporate Blogger außerdem oft selbst die Hürden viel zu hoch. Statt zu versuchen, mit jedem Beitrag die Welt aus den Angeln zu heben, geht’s vielmehr darum, den Blick für die (scheinbar) kleinen Geschichten im bzw. rund um das Unternehmen zu schärfen.

 

Können Sie Beispiele für Corporate Blogs nennen, die aus Ihrer Sicht besonders gelungen sind?

Üblicherweise werden an dieser Stelle häufig Otto (https://www.otto.de/unternehmen/de/fashion-und-lifestyle/blogs.php), TUI (https://blog.tui.com/) oder auch Ritter Sport (https://www.ritter-sport.de/blog/) genannt – zu Recht. Doch nicht jeder Corporate Blogger arbeitet für einen solchen Blue Chip. Deshalb hier auch ein Beispiel aus dem B2B-Bereich: PROAD ist Anbieter einer Agentursoftware. Die Reichweite des PROAD-Blogs (https://www.proadsoftware.com/de/blog/index.php) haben wir verzehnfacht, indem wir das redaktionelle Konzept komplett gedreht haben. Statt werblich die Vorteile einer Agentursoftware hervorzuheben, lassen wir hier die Zielgruppe zu Wort kommen: Was ist das Erfolgsgeheimnis von Agenturchefs? Wie organisieren sie sich? Was sind die häufigsten Pitch-Fehler? Was treibt junge Leute in die Werbung? Wie lässt sich Agentur-Controlling einfach und praxisnah erklären? Und, und, und. So ist hier eine richtige Community entstanden.

 

Vielen Dank Herr Krüger für das Interview!

 

Das Seminar „Corporate Blogs – Content-Strategien entwickeln, Reichweite aufbauen, Erfolge messen“ mit Stefan Krüger findet am 17.10.2017 in München statt. Weitere Informationen gibt es hier.

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