4 Fragen an… Teil IV: Dr. Ralf Ueding, Ganske, “Mit Tablet-Formaten erreicht man eher die klassischen Leser”

1) Native vs. Web App, Cloud Technologien, Social Computing etc. – Welche Themen und Hauptfragestellungen beschäftigen Sie aktuell am meisten und was wird 2012 die größte Herausforderung für Sie als Mobile Publisher sein?

Dr. Ralf UedingNatürlich beschäftigen wir uns laufend mit Fragen der technologischen Plattformen und der entsprechenden Nutzer, für die wir unsere Apps konzipieren. Bislang dominierte der native App-Ansatz unser Handeln, weil nur damit eine optimale Performance der App-Features auf die jeweilige Smartphoneplattform möglich war.  Durch die zunehmende Vielfalt der Android-Geräte wird aber das Thema html5-basierter-Apps deutlich verstärkt. Insgesamt werden wir 2012 aufgrund der weiter zunehmenden Gratis-Mentalität in den verschiedenen App-Stores noch stärker vor der Herausforderung stehen, funktionierende Businessmodelle für Apps mit qualitativen Verlagsinhalten zu finden – ein Verschenken der kostbaren Inhalte unserer Verlagsgruppe kommt für uns keinesfalls in Frage.

 

2) Haben Sie mit Ihren mobilen Angeboten neue Zielgruppen über Ihre Printkunden hinaus erschlossen? Wie unterscheiden sich Nutzer von Smartphone- und Tablet-Formaten?

Es ist sehr schwierig zu sagen, ob wir neue Zielgruppen erreichen, die wir mit den Printprodukten unserer Verlagsgruppe bisher nicht erreicht haben. Es wird auch hier so sein, wie überall, wo neue Technologien zum Einsatz kommen: Es gibt die „Technikenthusiasten“, die wir wirklich erstmals mit unseren digitalen Produkten erreichen und es gibt die „Adopters“, die über die Nutzung der Technologie ihren bisherigen (Print-)Medienkonsum um diese Komponente erweitern. Smartphone-Nutzer sind dabei die deutlich spontaneren Nutzer, die „location-based-services“ vor Ort benötigen, um aktuelles Suchen zu ermöglichen. Mit Tablet-Formaten erreicht man eher die klassischen Leser, die bereits unsere Printprodukte schätzen, Inspiration und Unterhaltung suchen und nun die Mehrwerte der digitalen Medien nutzen möchten.

 

3) Sie blicken inzwischen auf einige Erfahrungen im Mobile Business zurück. Was sind die wichtigsten Learnings aus den vergangenen Jahren und wie hat die Umsetzung ihrer Mobile Strategie die internen Strukturen beeinflusst? 

Die wichtigste Erkenntnis ist sicher, dass Mobile weder mit dem stationären Internet und schon gar nicht mit Print vergleichbar ist. Jede Plattform hat ihre eigenen Anforderungen, die durch die jeweiligen Nutzer und die Nutzungssituationen stark beeinflusst werden. Darauf müssen wir als Publisher adäquat reagieren. In der mobilen Nutzungssituation einer Smartphone-App stellt sich weniger die Frage nach der Gesamtheit der Wahlmöglichkeiten, virtuosen Bilderwelten und ausgefeilten, tiefgehenden Textpassagen. Im Vordergrund steht die singuläre Problemlösung, die unmittelbare Relevanz und Aktualität eines Angebotes. Mit unseren Produkten versuchen wir exakt diese einfachen Fragen qualitativ hochwertig durch redaktionellen Inhalt zu beantworten.

Die Notwendigkeit, Inhalte heute mehrfach und auf verschiedenen Medienplattformen zu nutzen, hat die Kollegen in den verschiedenen Print-, Online und Mobile-Redaktionen enger zusammenrücken lassen. Das wichtigste dabei aber ist, dass bei der Entstehung neuer Inhalte bereits auf die verschiedenen Anforderungen der digitalen Medien eingegangen wird. In dieser Hinsicht sehe ich unsere Verlagsgruppe intern wesentlich vernetzter als noch vor einigen Jahren. Dies gilt ebenso für die Vermarktungsseite. Fast alle Angebote an Werbepartner enthalten heute crossmediale Aspekte, die in dieser Form in jüngster Vergangenheit eher die Ausnahme waren.

 

4) Was glauben Sie – welchen Umsatzanteil werden elektronische Produkte bei Ganske in 5 Jahren haben? Und wie sieht es heute aus?

Der Umsatzanteil digitaler Angebote am Gesamtumsatz der Ganske Verlagsgruppe wird in den nächsten 5 Jahren weiter deutlich steigen. Heute liegt dieser Umsatzanteil noch unter 10 %, ich erwarte aber in 5 Jahren einen Wert, der bei 15 % und darüber liegen kann – und das, obwohl wir als Verlagsgruppe auch in den klassischen Printmärkten heute und in der Zukunft noch dynamisch wachsen.

 

 

Die Fragen stellte Jacqueline Hoffmann

 

 

Dr. Ralf Ueding, Geschäftsführer, iPublish Ganske Interactive Publishing, ist Referent auf der Mobile-Publishing-Konferenz iBooks, Web Apps, Tabzines – Tablet Publishing-Strategien für Verlage am 22. Mai 2012 in München

http://www.medien-akademie.de/konferenzen/epublishing/mobile_publishing_gipfel_2012.php

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